Waldhofstraße

Vernünftige Lösung für die Waldhofstraße?

Leserbrief als Antwort auf einen solchen im Mannheimer Morgen vom 28. September 1988

Ich beziehe mich auf den Leserbrief von Frau M. B. Sie bezeichnete den Umbau der Waldhofstraße als eine „kostspielige Fehlplanung“ und sprach von den Anwohnern, zu denen ich auch gehöre, als „Betroffene“.

Unter „Betroffenen“ stelle ich mir Leute vor, in deren näherer Umgebung etwas Sicherheits- oder Gesundheitsgefährdendes gebaut werden soll – beispielsweise eine Sondermülldeponie oder ein Atomkraftwerk. Aber ist es gesundheitsgefährdend, wenn

Ich habe den Eindruck, daß Frau B. nicht weiß, wem der Umbau der Waldhofstraße eigentlich Nutzen bringen soll – nämlich in erster Linie der Straßenbahn, allgemeiner: dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Wird aber ein Projekt gestartet, das dem ÖPNV Nutzen bringt, so kann der Planer des Projekts – in diesem Fall die Stadt Mannheim – finanzielle Unterstützung vom Bund aufgrund des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) beantragen. Also, wäre das Projekt „Waldhofstraße“ keineswegs kostspielig für die Stadt Mannheim. Das Budget für das GVFG wird durch einen Teil des Mineralölsteueraufkommens finanziert – also zu einem Großteil von den Steuerzahlern, die den ÖPNV blockieren! Diese Mittel sind außerdem zweckgebunden, können also nur für den ÖPNV vergeben werden. Durch Widerstände aus der Mannheimer Bevölkerung gegen Maßnahmen des ÖPNV haben sich die Mannheimer schon viele hunderttausend Mark verscherzt – letztes Beispiel: Relaisstraße auf der Rheinau. Statt dessen flossen die Fördermittel nach Karlsruhe und Stuttgart, wo sie für entsprechende Projekte eingesetzt wurden. In Karlsruhe wurde sogar eine völlig neue Stadtbahnstrecke dafür gebaut (siehe „MM“ vom 11.4.88).

Was versteht Frau B. unter „erheblichen Nachteilen“? Die Autos werden sich aufgrund der Abbiegespuren nicht mehr gegenseitig im Weg stehen, der Verkehr läuft flüssiger, die Abgasmengen gehen zurück. Und – noch wichtiger – die Autos, insbesondere Linksabbieger, stehen der Straßenbahn nicht mehr im Weg! Diese wird schneller und erfüllt damit die Forderung vieler Mannheimer nach einer Straßenbahn, die dem Individualverkehr in Geschwindigkeit überlegen ist.

Mich würde einmal sehr interessieren, wie sich Frau B. eine konkrete Lösung für die Waldhofstraße vorstellt. Oder soll einfach gar nichts gemacht werden, soll das Chaos bleiben?

Ich hoffe jedenfalls, daß der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg auch diesmal zugunsten des ÖPNV und der Allgemeinheit entscheidet.

Sabine Engelhardt


Namen habe ich aus Datenschutzgründen auf die Initialen verkürzt.