Vorteile der U-Bahn auf dem Lindenhof

Mannheimer Morgen vom 08.09.1986

Viele behaupten, die U-Bahn hätte auf dem Lindenhof gar keinen Platz. Häuser würden Schäden bekommen, einreißen. In Nürnberg wurde die U-Bahn u. a. unter Kaufhäusern gebaut. Dort geht man von der Haltestelle eine Treppe hoch und steht schon im Kaufhaus. Eine andere Strecke liegt unter dem „Weißen Turm“, einem Wehrturm aus dem Mittelalter. Der Turm steht immer noch so da wie vorher auch. Warum sollten dann wesentlich neuere Gebäude Schaden nehmen?

Andere sagen: „So, wie es jetzt ist, geht es doch.“ Ja, aber es könnte viel besser gehen! Die Busse stecken am Ring oft im Stau, das ist ein ziemlich negativer Faktor für die MVG. Eine Straßenbahn auf eigenem Gleiskörper bzw. eine U-Bahn hätte diese Probleme nicht. Verspätungen wären zwar nicht ausgeschlossen, aber wesentlich besser vermeidbar. Auch wenn die Busse wegfallen, ist durch die Straßenbahn oder U-Bahn eine Verbindung zur Kurpfalzbrücke gegeben.

Diejenigen, die Angst davor haben, an den U-Bahn-Haltestellen überfallen zu werden, sollten sich die Modelle noch einmal genau ansehen („siehe Mannheim Illustriert“, Aug. 86). Es ist deutlich erkennbar, daß man die Zugänge zu den Haltestellen und die Haltestellen selbst von oben einsehen kann. Die Gefahr, überfallen zu werden, wäre also genauso hoch oder niedrig wie in der Innenstadt.

Es ist uns unbegreiflich, wie sich viele Leute in den Autoschlangen, vor allem in der Meerfeldstraße, am Ring und auf der Neckarauer Straße so wohl fühlen können. Es muß ja ein wunderbares Gefühl sein, im Stau zu stecken und nicht weiterzukönnen – und das Tag für Tag. Wenn mehr Leute auf die Straßenbahnen und Busse umsteigen würden, hätten die Mannheimer Verkehrsbetriebe viel größere Chancen, ihre Strecken und ihren Service auszubauen. Oft kommt es vor, daß die Autos die Straßenbahnen (z. B. Waldhofstr.) und die Busse (z. B. Ring) blockieren. Bei weniger Autos und teilweise rücksichtsvolleren Autofahrern käme das wohl nicht vor, und die Straßenbahnen hätten öfter freie Fahrt. (Nur zum Vergleich: während die Autos oft über eine Minute „grün“ haben, haben die Straßenbahnen oft nur 10 Sekunden freie Fahrt. Ist das fair?)

Den Vorteil hat nicht die Stadt und nicht die MVG, den Vorteil haben die Mannheimer. Warum stellen sich so viele Mannheimer so gegen alles Neue?

Sabine Engelhardt, A. Z.


Namen habe ich aus Datenschutzgründen auf die Initialen verkürzt.