Offener Brief

Offener Brief an die SPD-Frauen in Mannheim-Rheinau


Mannheimer Wochenschau für die südlichen Vororte, 16. Oktober 1987

Wir beziehen uns auf den offenen Brief der SPD-Frauen in der Mannheimer Wochenschau für die südlichen Vororte vom 18.09.87. Zunächst beschwerten Sie sich über den Zustand der Wartehäuschen. Wie wir Ihnen schon in einem geschlossenen Brief mitgeteilt haben (die Antwort blieb bis heute aus), kann die MVG nicht mehr tun, als die Häuschen zu reparieren – sie kommt bloß der Zerstörungswut Weniger nicht hinterher! Abgebrannte Mülleimer, verschmierte Scheiben und unleserlich gemachte oder herausgerissene Fahrpläne sind zur Zeit leider fast ein Teil des Mannheimer Stadtbildes. Es wäre wohl angebrachter, darauf hinzuwirken, öffentliche Einrichtungen (z. B. Haltestellenhäuschen) mehr vor mutwilliger und unüberlegter Beschädigung zu schützen.

Außerdem fragen wir uns: Lesen Sie keine Zeitung? Schon am 13./14.06. d. J. berichtete der Mannheimer Morgen über die neuen Wartehäuschen, die von der Firma GUVE errichtet werden sollen. Und am 23.06.87 beschloß der Gemeinderat, auf das Angebot der Firma GUVE, Wartehallen aufzustellen und zu warten, einzugehen. Nur über die genauen Standorte sollte noch verhandelt werden. Die neuen Wartehäuschen werden mit beleuchteten Fahrplänen ausgestattet sein. Wenn Sie sich z. B. die Haltestelle Rheinau Nord einmal genauer ansehen würden, würden Sie sicher feststellen, daß auf dem Boden bereits die Markierungen für die neuen Häuschen – in deutlichem Gelb – aufgezeichnet sind.

Und weil wir gerade von der Rheinau sprechen – was haben Sie denn mit der Relaisstraße vor? Haben Sie sich über den eigenen Gleiskörper überhaupt mal erkundigt? Nichts von wegen Abschotterung usw. – ein eigener Gleiskörper muß doch nicht die Straße trennen! Sehen Sie sich doch einfach mal die Schienen auf der Kurpfalzbrücke an – ein einfacher weißer Strich trennt die Schienen von der Fahrbahn ab. So ähnlich soll es auch in der Relaisstraße sein. Nur eine kleine Bordsteinkante wird die Fahrbahn vom Gleiskörper trennen. Der Gleiskörper selbst wird gepflastert, stellt also für Fußgänger kein Hindernis dar.

Aber Sie fordern, die Straßenbahn in der Relaisstraße durch einen Bus zu ersetzen. Welch ein Unsinn! Die Gründe für diesen „Verzweiflungsschrei“ sind ganz einfach:

  1. Eine Straßenbahn hat ein größeres Fassungsvermögen als ein Bus.
  2. Das Heidelberger Beispiel zeigt, daß die Fahrgäste mit einer Bahn wesentlich zufriedener waren. Nachdem dort viele Strecken auf Busbetrieb umgestellt wurden, gingen die Fahrgastzahlen drastisch zurück.
  3. Sie sagen, der Bus habe den Vorteil, zum Halten ganz an den Straßenrand heranfahren zu können. Dies setzt allerdings voraus, daß die mit einer Zickzack-Linie gekennzeichneten Haltestellenzonen nicht von Falschparkern zugeparkt werden, wie es zur Zeit bei den Straßenbahnhaltestellen üblich ist (z. B. Neuhofer Straße). Der vorbeifahrenden Polizeistreife ist das ja egal. Sie sollten vielleicht mehr Initiative gegen das Falschparken entwickeln!

Sie schreiben, die Straßenbahn störe in der Relaisstraße den Verkehrsablauf. Es muß einmal deutlich gesagt werden: Die Ampel, die Sie gefordert haben und jetzt vor der Sparkasse steht, stört den Verkehrsablauf wesentlich mehr! Und die Leute am Rheinauer Ring fordern einen Fußgängerüberweg und können ihn nicht bekommen, weil durch „Ihre“ Ampel die Mittel verbraucht sind. Diese Ampel kann nämlich meistens nicht von der Straßenbahn beeinflußt werden, weil zuviele Autos davorstehen, die durch Linksabbieger (Otterstadter Straße/Relaisstraße) blockiert werden. Also: Nicht die Straßenbahn ist verkehrsstörend, sondern zu viele Autos! Trotz der Umgehungsstraße fahren die meisten Pkw-Fahrer immer noch durch die Relaisstraße, weil sie noch schnell einen Liter Milch oder eine Flasche Bier kaufen müssen.

Wir möchten die SPD-Frauen bitten, ihre Vorwürfe gegen die Richtigen zu richten; sich außerdem vorher über den wahren Sachverhalt zu informieren und keine Gerüchte in die Welt zu setzen.

Sabine Engelhardt/AZ


Namen habe ich aus Datenschutzgründen auf die Initialen verkürzt.