Straßenbahn auf dem Lindenhof

Leserbrief als Antwort auf einen solchen an den Mannheimer Morgen, 1986

Es ist erfreulich, auch einmal etwas positives zum Thema Lindenhof zu lesen. Vielen Dank, K. H.! Wenn man die Leserbriefe im MM zu diesem Thema liest, sollte man denken, daß die Stadt und die MVG etwas völlig unmögliches planen, was absolut keinen Nutzen für die Bürger hätte. Wir glauben, daß sich die Bürger vom Lindenhof nur nicht genügend informiert haben, z. B. über die Zeit während des Tunnelbaus. Wir haben die Pläne der MVG genau studiert und können uns einfach nicht vorstellen, daß die Lindenhöfer nicht wissen, wie der Bau ablaufen soll. Die Behinderungen werden nämlich auf ein Minimum reduziert (gegenüber anderer Bauweisen). Es wird jederzeit gewährleistet, daß sowohl Anlieger- wie auch Anliefererverkehr und auch Fußgänger die Meerfeldstraße auf ihrer vollen Länge passieren können.

In den Bauplänen ist vorgesehen, daß abschnittsweise und jeweils einseitig gearbeitet wird. Das heißt im Klartext: Jeweils eine Straßenhälfte des Bauabschnittes ist frei benutzbar für Passanten, Anlieferer und Anlieger zum Laufen, Parken und Durchfahren. Auf der anderen Seite wird eine Tunnelwand in den Boden eingelassen. Dazu wird nur wenig Platz benötigt. Ist diese Wand fertig, wird wieder zugeschüttet. Daraufhin wird die „bearbeitete“ Straßenseite frei, und das ganze wiederholt sich auf der anderen Seite. Zusätzlich wird auf dieser Seite die Hälfte der Tunneldecke fertiggestellt, und wieder wechseln Fahrbahn und Baustelle die Seiten. Nun wird die andere Hälfte der Tunneldecke fertiggestellt. Nebenbei werden alle Versorgungsleitungen und die neue Fernheizung verlegt. Ist die Tunnelröhre im jeweiligen Abschnitt im Rohbau fertig, wird die endgültige Straßengestaltung vorgenommen. Unbeeinflußt vom Verkehr auf der Oberfläche wird dann die Tunnelröhre ausgehöhlt und die Innenausstattung durchgeführt (Versorgungsleitungen, Gleisbett).

Wie vorher schon oft erwähnt, werden die Haltestellen nach oben hin offen sein. Dies ermöglicht unbeschränkte Kommunikation zum Straßenniveau. Selbstverständlich werden neben normalen Treppen auch Rolltreppen eingebaut. Außerdem werden sowohl die Haltestellen als auch die Auf- und Abfahrtsrampen der Straßenbahn mit Steinplatten verkleidet und begrünt. Von „häßlichen Rampen“ kann also keine Rede sein.

Für den Individualverkehr werden vor allem die Lindenhofstraße und die Steubenstraße bis Neckarau West ausgebaut. Die Straßenbahn bekommt einen eigenen Gleiskörper. Sie wird ebenfalls die Möglichkeit haben, die Grünphasen nach ihrem Bedarf zu steuern. Großzügige und komfortable Umsteigemöglichkeiten zum Bus werden am Knotenpunkt Markuskirche und an der Endhaltestelle Neckarau West eingerichtet werden. Der umsteigende Fahrgast wird keine Fahrbahn überqueren müssen, sondern kann direkt das Anschlußverkehrsmittel erreichen.

Ganz große „Meckerer“ gegen die Umgestaltung der Meerfeldstraße waren von Anfang an die Einzelhändler. Sie behaupteten, ihre Geschäfte schließen zu müssen, weil sich die Kundschaft andere Gebiete aussuchen würde. Außerdem glauben sie, total abgeschnitten zu werden.

Nochmals: Von einem „Abschneiden“ irgendeines Geschäftes oder Wohnhauses war nie die Rede und dieses wird auch nicht zu befürchten sein! Was die MVG hier durchführen will, hat nichts mit der allgemeinen Vorstellung eines U-Bahn-Baus gemein.

Wir befürchten, daß sich die Lindenhöfer einfach grundsätzlich gegen alles neue stellen, ohne sich die Mühe zu machen, sich genau zu informieren und sich damit zu befassen. Es bleibt uns zu hoffen, daß sich andere Leute, die positiv über das Thema Meerfeldstraße denken, dieses auch sagen und sich dafür einsetzen.

Sabine Engelhardt/AZ


Namen habe ich aus Datenschutzgründen auf die Initialen verkürzt.