Haarsträubende Arroganz

Leserbrief als Antwort auf einen solchen an den Mannheimer Morgen, 10. Mai 1987

Wir beziehen uns auf den Leserbrief von Herrn K. S., veröffentlicht am 09./10.05.87. Herr S. beschwerte sich über mangelnden Parkraum in der Innenstadt und über vollgestopfte Parkhäuser. Tja, Herr S., das kann uns MVG-Benutzern nicht passieren! Und von wegen vollgestopfte Straßenbahnen: Während einige Linien auf ihren Strecken oftmals fast leer fahren, sind die Straßen, die zu den Gleisen dieser Linien parallel laufen, voller Autos, die im Stau stecken (z. B. am Ring). Ein Radfahrer, der über den Ring fährt und zufällig einmal die Spur wechseln muß, ist ständig in Gefahr, von einem Auto aufgeschaufelt zu werden (speziell Mercedes, BMW, Opel), obwohl sich der Radfahrer an die Regeln hält (eigene Erfahrung!). Rücksicht ist wohl für gewisse Leute ein Fremdwort. Ein Bekannter von uns fährt jeden Tag 7 km zur Arbeit und steht 8 Std. in der Fabrikhalle, dann fährt er wieder zurück. Es geht also auch so!

Übrigens, Herr S., es ist unfallstatistisch bewiesen: An über 80 % der Unfälle, an denen ein Auto und eine Straßenbahn beteiligt sind, sind die Autofahrer schuld! Ihre Hetzkampagne „Straßenbahnen … verursachen die meisten Unfälle“ entbehrt also jeder Grundlage und entstammt einer haarsträubenden Arroganz. Genau im Gegensatz zu Ihnen könnten wir sagen: Wir sehen nicht ein, warum wir mit unseren Steuergeldern für ein gut ausgebautes Straßennetz für Autos zahlen sollen, das wir nicht benutzen! Wir fahren Straßenbahn und Bus - womit wir übrigens wesentlich billiger dran sind als Autofahrer.

Sabine Engelhardt/AZ


Namen habe ich aus Datenschutzgründen auf die Initialen verkürzt.