Mannheim - Stadt der Quadrate

„Mannheim – ach, das ist doch die Stadt, wo es keine richtigen Straßennamen gibt, sondern bloß so Buchstaben und Zahlen …“ – höre ich öfter. Natürlich gibt es auch in Mannheim „richtige“ Straßennamen. Die so berühmte Ausnahme ist die Innenstadt, die einst das Herz der alten kurfürstlichen Festung bildete und von einer Stadtmauer umgeben war. Sie hat ziemlich genau die Form eines Halbkreises. An der geraden Seite befindet sich ungefähr zentriert das alte kurfürstliche Schloss, immerhin das zweitgrößte in Baden-Württemberg – nach dem Stuttgarter Schloss. Gegenüber an diesem Halbkreis, auf der Mitte der Rundung, findet man die von Joy Fleming in ihrem weit über Mannheim hinaus bekannten „Neckarbrücken-Blues“ besungene „Brigg“ – die Kurpfalzbrücke.

Und in diesem Halbkreis sind die Quadrate. Die Anordnung der Häuserblocks wurde offensichtlich auf dem Reißbrett entworfen und wird in ihrer Exaktheit öfter mit der Anordnung der Blocks in Manhattan/New York verglichen. Allerdings sind hier nicht wie in Manhattan die Straßennamen, sondern die Blocks selbst nummeriert.

Hat man den Halbkreis mit der geraden Seite nach unten vor sich, dann teilen zwei breitere Straßen diesen Halbkreis in vier Viertel. Die – aus der eben genannten Sicht – senkrecht verlaufende Straße ist offiziell die Kurpfalzstraße. So nennt sie in Mannheim aber niemand, sie heißt überall nur die Breite Straße, oder, im Mannheimer Dialekt, die „Breide Strooß“. Sie ist von der Kurpfalzbrücke bis zum Paradeplatz – der dort liegt, wo sich beide Straßen kreuzen – als Fußgängerzone ausgezeichnet.

Ähnlich verhält es sich mit der quer verlaufenden Straße. Sie heißt offiziell Heidelberger Straße und wird allgemein „An den Planken“ oder, im Dialekt, „die Plonnge“ (mit weichem „g“) genannt. Sie ist vom Wasserturm – der aus der angegebenen Sicht aus auf der linken Seite außerhalb des Halbkreisrandes steht – bis ein Quadrat „hinter“ dem Paradeplatz Fußgängerzone und gilt als das teuerste Pflaster Mannheims.

Nach dieser Grobeinteilung nun zur Feineinteilung: Wenn wir nun vor dem Schloss stehen, also an der geraden Seite des Halbkreises, genau in der Mitte, dann schauen wir in die Breite Straße hinein und sehen als ersten Block auf der linken Seite das Quadrat A 1. Links daneben befindet sich A 2, dann A 3 und dann A 4. Ein Block weiter nach vorn ist dann B 1 mit den daneben liegenden Quadraten B 2 usw. Nach D 1 stehen wir auf dem Paradeplatz, der Kreuzung der beiden großen Straßen. Wenn wir nun weiter der Breiten Straße folgen, finden wir die Quadrate E 1 und danach F 1 mit dem alten Rathaus. G 1 ist der Mannheimer Marktplatz. So laufen wir weiter, bis wir am Quadrat K 1 vorbei sind und – vor der Kurpfalzbrücke stehen.

Um nun L 1 zu finden, versetzen wir uns jetzt einfach wieder vor das Schloss zurück. Denn wenn wir nun wieder in der Mitte der geraden Seite des Halbkreises stehen und in die Breite Straße schauen, dann ist das erste Quadrat auf der rechten Seite das gesuchte. Von hier aus geht es wieder vor bis zur Kurpfalzbrücke, wo das letzte Quadrat U 1 heißt. Neben diesen Quadraten wird entsprechend nach rechts weiter gezählt, also rechts neben L 1 kommt L 2 usw. (wobei: Achtung bei den L-Quadraten, diese setzen sich bei den höheren Blocknummern teilweise auf der gegenüber liegenden Straßenseite fort!).

Nach diesem Schema ist es eigentlich ganz einfach, eine Adresse in der Mannheimer Innenstadt zu finden. Brauchen wir noch die Hausnummern: Sie verlaufen, der Logik der Quadrate folgend, nicht entlang der Straßenzüge, sondern um die einzelnen Quadrate herum. Dabei beginnt die Zählung immer auf der dem Schloss zugewandten Seite und setzt sich gegen den Uhrzeigersinn fort.