Technik der klassischen Mailboxen

Eine Mailbox - egal, mit welchem Format sie arbeitet - besteht grundsätzlich aus mehreren Teilen:

Der Mailer ist sozusagen der Kontakt nach außen. Er steuert Modem(s), ISDN-Adapter oder -Karten an und sorgt dafür, dass Anrufe angenommen und richtig behandelt werden. Außerdem führt er selbst Anrufe aus, entweder manuell gesteuert oder über eine Zeitsteuerung.

Wenn ein Anruf hereinkommt, kümmert sich der Mailer um die Login-Phase (Identifikation des Anrufers) und – bei einem Point- oder Systempoll – um den korrekten Ablauf der Datenübertragung. Handelt es sich um einen Online-Anrufer, dann übergibt der Mailer die Verbindung an ein Online-Programm, sofern vorhanden.

Ohne Packer/Entpacker ist der Betrieb einer Mailbox undenkbar, wenn auch nicht unmöglich. Gerade wenn zwischen Systemen große Datenmengen ausgetauscht werden, macht es schon einen Unterschied, ob ein Megabyte oder drei Megabytes über die Telefonleitung geschoben werden müssen (um diesen Faktor komprimieren Packer ungefähr).

Der Teil „Bearbeiter und Verteiler“ hat unterschiedliche Bezeichnungen. In ZConnect wird alles meist von einem einzigen, zentralen Programm durchgeführt, das Spooler genannt wird. Im Fido besteht der Teil aus mehreren Einzelprogrammen, die zentrale Funktion hat dabei der Tosser.

Allen gemeinsam ist, dass hereinkommende Daten entpackt, auf die Einhaltung des entsprechenden Mailboxstandards geprüft und dann verarbeitet werden. Für jede einzelne Nachricht wird festgestellt, welchen Empfänger sie hat, dann wird sie den entsprechenden Systemen zugeordnet. Öffentliche Nachrichten bekommt jedes Empfängersystem, das die entsprechende Gruppe bestellt hat, private Nachrichten gehen entweder an den lokalen Empfänger oder an ein Default-System, das den Empfänger kennt oder wiederum ein System kennt, das den Empfänger kennen könnte. Schließlich werden die Daten für die Systeme wieder gepackt (meistens zumindest), damit sie beim nächsten Anruf des Systems bereits gepackt bereitstehen.

Für den Spooler (ich verwende jetzt einfach mal die mir geläufigeren ZConnect-Begriffe) ist ein eventuell vorhandener Online-Teil dabei genauso ein System wie ein Point oder eine andere Mailbox, nur dass die Daten hier in eine Datenbank einsortiert werden, die von Online-Anrufern abgerufen werden kann. Nachrichten, die von Online-Anrufern geschrieben werden, wandern umgekehrt genauso in den Spooler wie die Nachrichten von anderen Systemen.

Teil des Spoolers ist im allgemeinen auch ein „Helferlein“, das in den verschiedenen Formaten wieder verschiedene Namen hat. In ZConnect-Systemen heiß es Maps, im Fido heißt es Areafix. Bei diesem Pseudo-User, hinter dem sich ein Programm oder Script verbirgt, können Mailboxen und Points Bretter be- und abbestellen und – je nach Software – auch verschiedene Listen, Statistiken und auch Dateien anfordern (wobei teilweise der Fileserver wieder ein anderes Stück Software ist). Teilweise ist dieser Pseudo-User mit Hilfe einer Programm- oder Scriptergänzung auch in der Lage, selbstständig die Brettliste mit anderen Mailboxen abzugleichen.

Für die Verarbeitung von Nachrichten aus anderen Mailboxen gilt ein alter rfc-Grundsatz: „Be liberal in what you accept, be conservative in what you send“. Das heißt, Nachrichten, die zwar fehlerhafte Header haben, aber trotzdem noch irgendwie transportiert werden können, sollten auch transportiert werden. Die Nachrichten, die aus dem eigenen System kommen (dazu gehören auch die Nachrichten von den eigenen Points und Online-Benutzern), sollten dagegen unbedingt den Standard einhalten. Bei Fido- und ZConnect-Boxprogrammen ist das leider nicht unbedingt immer garantiert.

Wenn ein System mehr als ein Nachrichtenformat unterstützt, dann muss ein entsprechendes Gateway eingesetzt werden. Gateways sind sozusagen Konverter für die verschiedenen Nachrichtenformate, insbesondere für deren Header. Ein Gateway sollte nur einsetzen, wer beide Formate gut genug kennt! Gatewaybetreiber sollten sich vor Einsatz des Gateway-Programms davon überzeugen, dass das Programm für beide Formate korrekte Header erzeugt, ansonsten kann es auf mindestens einer Seite erheblichen Ärger geben! Natürlich muss in diesem Fall auch der Mailer in der Lage sein, die Anrufe der verschiedenen Formate korrekt entgegenzunehmen.

Der Online-Teil einer Box bietet erhebliche Möglichkeiten: File-Download, Chat, Spiele und natürlich den Zugang zu Brettern und zu persönlichen Mails. Welche Funktionen tatsächlich zur Verfügung gestellt werden, hängt von der eingesetzten Software ab.

Auf verschiedene Weise wurde schon versucht, diesen Online-Teilen eine mehr oder weniger brauchbare grafische Oberfläche zu verpassen. Keiner dieser Versuche hat sich jedoch wirklich durchgesetzt – zum einen, weil die meisten User sowieso wegen der Telefonkosten lieber offline mit einem Point arbeiten, zum anderen, weil die Software für die Nutzung dieser Oberflächen nicht für alle gängigen Betriebssysteme verfügbar war.