Medikamente bei Depressionen

Antidepressiva

Doxepin

Doxepin ist ein sogenanntes trizyklisches Antidepressivum. Ich nahm es ab etwa Oktober 2003 über gut 6 Wochen lang ein und setzte es dann wieder ab, weil ich nur ganz massiv Nebenwirkungen hatte und die Hauptwirkung ausblieb.

Nebenwirkungen

Laut Beipackzettel: Häufigkeitsangaben lt. SPC-Guideline: sehr häufig: < 10 %, häufig: 1 % bis < 10 %, gelegentlich: 0,1 % bis < 1 %, selten: 0,01 % bis < 0,1 %, sehr selten (inkl. Einzelfälle): < 0,01 %. […] Haut: Allergische Hautreaktionen, Pruritus (häufig); Haarausfall (sehr selten); Schwitzen (besonders zu Behandlungsbeginn und verstärkt bei älteren Patienten). Muskel und Skelett: Tremor (besonders zu Behandlungsbeginn und verstärkt bei älteren Patienten). Nervensystem und Psyche: Verwirrtheitszustände und Delirien (ältere Patienten), Libidoverlust, innere Unruhe (häufig); Parästhesien, vermehrtes Träumen, Hitze- und Kälteempfindungen (gelegentlich). Neurologische Effekte (z. B. Polyneuropathien, Krampfanfälle); Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel (besonders zu Behandlungsbeginn und verstärkt bei älteren Patienten). Absetzerscheinungen wie Unruhe, Schweißausbrüche, Übelkeit, Erbrechen, Schlafstörungen bei plötzlichem Beenden einer längerfristigen hochdosierten Behandlung. Manische Verstimmung oder akut produktive Symptome bei der Behandlung depressiver Symptome im Verlauf schizophrener Erkrankungen. Augen: Glaukomanfall; Akkommodationsstörungen (besonders zu Behandlungsbeginn und verstärkt bei älteren Patienten); Photophobie. Ohren: Ohrensausen (gelegentlich). Gastrointestinaltrakt: Durstgefühl (häufig); Mundtrockenheit, Obstipation, Gewichtszunahme (besonders zu Behandlungsbeginn und verstärkt bei älteren Patienten). Leber, Galle: Medikamentenabhängige (cholestatische) Hepatitis (sehr selten); Paralytischer Ileus; meist passagerer Anstieg der Leberenzymaktivitäten (besonders zu Behandlungsbeginn und verstärkt bei älteren Patienten). Elektrolyte, Stoffwechsel, Endokrinium: Galaktorrhoe, Ödembildung (gelegentlich); Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion, Änderung des Blutzuckerspiegels, Vergrößerung der Mammae (Frauen), Gynäkomastie (Männer), Regelblutungsanomalien (sehr selten); Herz, Kreislauf: Kollapszustände, Erregungsleitungsstörungen, Verstärkung einer bestehenden Herzinsuffizienz (gelegentlich); QT-Intervall-Verlängerung, Torsade de Pointes (sehr selten); Herzrhythmusstörungen, Hypotonie, orthostatische Dysregulation, Tachykardie (besonders zu Behandlungsbeginn und verstärkt bei älteren Patienten). Atemwege: Verstopfte oder trockene Nase; Hämolytische Anämie, Leukozytopenie, Thrombozytopenie (sehr selten); Agranulozytose (sehr selten).

Ich hatte so massive Verstopfung und Mundtrockenheit, dass ich mich eher noch elender fühlte als besser. Und die Hauptwirkung blieb, wie gesagt, auch nach 6 Wochen aus (sollte nach spätestens 3 Wochen eingetreten sein).


Trevilor

Trevilor zählt zu den SNRI, das sind Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Der Schwerpunkt scheint aber bei Serotonin zu liegen.

Ich nahm Trevilor von Juli 2004 bis August 2005. Die Hauptwirkung sollte Stimmungsaufhellung sein. Gemerkt habe ich davon nicht viel bis gar nichts, obwohl ich recht schnell auf Höchstdosis eingestellt worden war. Die zeitweise Verbesserung kann genauso gut Zufall gewesen sein, da meine Stimmungen sich so oder so immer wieder verändern.

Nebenwirkungen

Laut Beipackzettel können auftreten: Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Verstopfung, Bruxismus, Pankreatitis, Diarrhoe. Leberwertveränderung, Hepatitis, Cholesterinerhöhung, Gewichtszu- oder -abnahme, Hyponatriämie, SIADH, Prolaktinspiegelerhöhung, Rhabdomyolyse, Schwindel, ungewöhnliche Trauminhalte, Schlaflosigkeit, Libidoabnahme, Nervosität, Parästhesien, Zittern, Sedierung, erhöhte Muskelspannung, Apathie, Halluzinationen, Myoklonus, Serotonin-Syndrom, Agitiertheit, Delirium, extrapyramidale Reaktion (einschl. Dystonien, Dyskinesien, tardive Dyskinesien), Mundtrockenheit, Akkommodationsstörungen des Auges, Mydriasis, Sehstörungen, Geschmacksveränderungen, Tinnitus, Engwinkelglaukom (bzw. Winkelblockglaukom), Schwitzen, Hautausschlag, Alopezie, Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom, Pruritus, Urtikaria, kleinflächige Hautblutungen, Schleimhautblutungen, Thrombopenie, weitere Blutbildveränd. (Agranulozytose, aplast. Anämie, Neutropenie, Panzytopenie), verlängerte Blutungsdauer, Ejakulations-, Orgasmus- und Potenzstörungen, verzögertes Wasserlassen, Menorrhagie, Harnverhaltung. Asthenie/Erschöpfung, Überempfindlichkeitsreaktion gegen Licht, Anaphylaxie, Krampfanfälle, Manie, malignes neuroleptisches Syndrom. Blutdruckanstieg, Vasodilatation, Synkopen, Tachykardie, ventrikuläre Tachykardie (einschließlich Torsades de pointes), QT- und QRS-Verlängerung, Kammerflimmern, Hypotonie/orthostatische Hypotonie, Gähnen, pulmonale Eosinophilie. Selten Absetzerscheinungen. Bei Anwendung vor der Geburt Entzugserscheinungen beim Neugeborenen möglich. Bei pädiatrischen Patienten in Studien: vermehrt Feindseligkeit und (vor allem bei schwerer Depression) mit Suizid assoziierbare Ereignisse. Sonst wie bei Erwachsenen Appetit- u. Gewichtsabnahme, Blutdruckanstieg, erhöhte Cholesterinwerte, außerdem Bauchschmerzen, Agitiertheit, Dyspepsie, kleinflächige Hautblutungen, Nasenbluten, Myalgien.

Nette Sammlung, was? Ich muß gestehen, dass ich das meiste davon nicht mal verstehe. Können diese Leute nicht deutsch reden? – Wenn ich das vorher gelesen hätte, hätt ich es vermutlich gar nicht erst genommen.

Ich bekam davon ab: Verstopfung, Mundtrockenheit, in den ersten Tagen einmal einen scheinbaren Anfall von Bluthochdruck mit Panik (der Blutdruck war normal, als gemessen wurde, und es passierte auch nicht wieder) und im weiteren Verlauf massive Gewichtszunahme (17 kg binnen eines Jahres). Was sonst auftrat – u. a. Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Muskelspannung, Nervosität – kann auch genausogut von der Depression selbst gekommen sein, denn das hatte ich sowohl vorher als auch hinterher ebenfalls.

Nach dem Absetzen (ausgeschlichen binnen weniger als zwei Wochen) hatte ich keine Probleme. Im Gegenteil: Ich konnte wieder viel deutlicher fühlen, ich fühlte mich freier. Mein Gewicht ging in etwas weniger als einem Jahr auf den vorherigen Wert zurück, ganz von allein, ohne Diät oder sowas.


Edronax

Das ist ebenfalls ein SNRI, aber mit stärkerer Konzentration auf Noradrenalin. Der Wirkstoff ist Reboxetin.

Edronax nahm ich ab etwa September 2004 ein, ergänzend zu Trevilor und Orfiril. Im Gegensatz zu diesen beiden hatte hier hiermit zunächst überhaupt keine Wirkung; die Dosis war aber auch nicht hoch.

Eine merkliche Wirkung trat jedoch ein, nachdem die Dosis etwa im Frühsommer 2005 auf das Maximum erhöht wurde: Ich wurde von Wetteränderungen unabhängig, die mich sonst fest im Griff haben. Trotzdem habe ich es zusammen mit den beiden anderen Medikamenten im August 2005 erst einmal abgesetzt, weil ich von Medikamenten einfach komplett die Nase voll hatte.

Nebenwirkungen

Laut Beipackzettel: Sehr häufig: Schlaflosigkeit, trockener Mund, Verstopfung, Schwitzen. Häufig: Schwindel, Akkommodationsstörungen, Tachykardie, Herzklopfen, Gefäßerweiterung, orthostatischer Blutdruckabfall, Fehlen oder Verlust des Appetits, Harnverhalten, Miktionsbeschwerden, Harnwegsinfektion, Kältegefühl; bei Männern: Erektionsstörungen, Ejakulationsschmerz, Ejakulationsverzögerungen, Hodenschmerzen. In Spontanberichten: aggressives Verhalten, kalte Extremitäten, Nausea, Emesis, allergische Dermatitis/Exanthem. In Plazebo-kontr. Kurzzeit-Studien: Erhöhung der Herzfrequenz (6 - 12 Schläge/Min.). Kopfschmerzen.

Auch keine schlechte Sammlung. Die Mundtrockenheit hatte ich schon vom Trevilor, eine Verstärkung habe ich nicht bemerkt. Insgesamt kann ich auch auf Grund der späteren Einnahme nicht sagen, ob Nebenwirkungen von den anderen Medikamenten kamen oder vom Edronax.

Angeblich soll Edronax nicht dermaßen aufs Gewicht gehen wie andere Antidepressiva. Überprüfen konnte ich das nicht.


Stabilisatoren

Orfiril

Das ist eigentlich ein Medikament, das bei Epilepsie gegeben wird. Man hat aber wohl herausgefunden, daß es Stimmungsschwankungen bei Depressionen „glätten“ bzw. die „Spitzen abschneiden“ kann.

Eingenommen habe ich es von etwa Ende Juli 2004 bis August 2005, die Einnahme begann also etwas später als die von Trevilor, ging dann aber genauso lange. Ob die vorgesehene Hauptwirkung überhaupt je eingetreten ist, kann ich nicht sagen. Emotional eingeschränkt wurde ich ja bereits durch Trevilor, eventuell hat Orfiril da noch einmal verstärkt.

Nebenwirkungen

Injektionslösung: vereinzelt metabolische Azidose.

Hinweise: Reaktionsvermögen! (Ich vermute mal: Eingeschränkt.)

Ich hatte Orfiril in Tablettenform genommen; auch hier wurde ich recht schnell auf Höchstdosis gepuscht. Auch wenn es in den Nebenwirkungen nicht steht, so habe ich doch immer wieder gehört, dass auch Orfiril ein „Mästmittel“ ist, also das Gewicht erhöht.


Beruhigungsmittel (Sedativa)

Dipiperon

Anfangs und über längere Zeit hinweg habe ich damit bei nur vereinzelter Einnahme gute Erfahrungen gemacht (meist Saft-Form). Dipiperon zählt zu den leichten Sedativa, die nicht abhängig machen. Nach längerer Zeit veränderte sich die Wirkung bei mir jedoch: Entweder es wirkte gar nicht, oder es schickte mich für bis zu 24 Stunden lang schlafen. Die letzte Dosis habe ich etwa im November 2005 genommen.

Nebenwirkungen

Sirup: Müdigkeit, Benommenheit, Kopfschmerzen. Schlaflosigkeit. Sehr selten Hyponatriämie. Benigne Tachykardie, vereinzelt Asystolie. Verlängertes QT-Intervall im EKG; Torsades de pointes nicht auszuschließen. Sehstörungen, Harnretention, Ödeme, Speichelfluß, Regulationsstörungen der Körpertemperatur und Schwitzen. Leichte Verminderung hämatologischer Zellzahlen. Leberfunktionsstörungen oder cholestatische Hepatitis. Überempfindlichkeitsreaktionen (wie z. B. Hautausschlag), Stevens-Johnson-Syndrom.

Müdigkeit sehe ich da eher nicht als Nebenwirkung. Im Gegensatz zu regelrechten Schlafmitteln, die bei mir so gut wie gar nichts bewirken, war Dipiperon für mich eine gute Einschlafhilfe. Von den restlichen Nebenwirkungen habe ich, sofern ich sie verstehe, nichts gemerkt.


Atosil

Das bekam ich in der Psychiatrie zuerst, nachdem Schlafmittel sich als nutzlos erwiesen hatten. Die Wirkung war genauso wie bei Dipiperon – incl. zuletzt „gar nicht oder Dauerschlaf“.

Nebenwirkungen

Sedierung, Galaktorrhoe, Ausbildung einer Thrombose, Verwirrtheitszustände, QT-Intervall-Verlängerung, Torsades de Pointes, bei vorbestehenden respiratorischen Störungen kann dosisabhängig eine zentrale Atemdepression auftreten.

Ich hatte bei Atosil keine Probleme mit Nebenwirkungen.