Symptome, keine Krankheiten

Ängste und Depressionen sind Symptome, keine Krankheiten

Depressionen und Ängste sind Zeichen dafür, daß jemandes Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden.

Original: Anxiety and Depression Are Symptoms, Not Diseases
Depression and anxiety are signs that one is not getting key needs met.
by Gregg Henriques, Ph. D., 26. März 2016

Übersetzung vom 2./3. Juli 2016; Übersetzer: Sabine 'Atari-Frosch' Engelhardt unter Mithilfe von Dipl.-Psych. Alexander Schestag – die Publikation der Übersetzung wurde vom Autor genehmigt.

Wenn ich mit Klienten, die mit psychischen Problemen zu mir kommen, zum ersten mal spreche, ist es üblich, daß sie mir berichten, sie fühlten sich ängstlich oder depressiv. Das hier ist ein typischer Dialog:

Ich: Also, können Sie mir mitteilen, was Sie herbringt?

Klient: Nun, ich fühle mich nicht gut. Ich habe so eine schlechte Stimmungslage, die ich nicht abschütteln kann. Ich möchte aufhören, mich so depressiv zu fühlen.

Ich: Was bringt Sie dazu, sich depressiv zu fühlen?

Klient: Ich weiß nicht. Nicht wirklich. Es kommt einfach aus dem Nichts, und ich wünsche mir nur, daß es aufhört.

Dann fange ich an, Informationen über ihr Leben zu sammeln, und fast jedesmal taucht der Grund für ihre Depression (oder Angst) auf. Die häufigste Beschreibung ist sowas wie das folgende (diese Elemente entfalten sich üblicherweise binnen einer halben Stunde bis einer Stunde der Erforschung – hier ist das beschleunigt dargestellt, damit es klarer wird; es ist in den Kontext eines männlichen College-Studenten gesetzt):

Ich: Erzählen Sie mir ein bißchen was davon, was passiert. Wie sieht Ihr Leben hier am College aus?

Klient: Ich gehe in den Unterricht, aber eigentlich bin ich nicht so sehr an dem interessiert, was ich mache. Aber offensichtlich brauche ich einen College-Abschluß, wenn ich einen anständigen Job haben will. Ich kenne ein paar Leute, mit denen ich ausgehe, aber sie wissen nicht so wirklich, wie es mir geht, und ich fühle mich auch nicht danach, mit ihnen darüber zu reden. In letzter Zeit, seit ich mich mehr nach Herumgammeln fühle, bleibe ich einfach in meinem Zimmer.

Ich: Was ist mit Liebschaften?

Klient: Im letzten Semester habe ich mal jemanden abgeschleppt. Aber ich habe keine Liebesbeziehungen.

Ich: Noch nie?

Klient: Nein.

Ich: Erzählen Sie mir von ihrer Beziehung zu Ihren Eltern.

Klient: Gut, denke ich. Ich rede mit ihnen über einiges.

Ich: Wissen sie über Ihre Stimmungen bescheid?

Klient: Nein. Sie interessieren sich für meine Noten, aber ich will sie nicht mit meinen Stimmungen belasten.

Ich: Wie war Ihre Beziehung zu ihnen, während Sie aufwuchsen?

Klient: Gut, glaube ich. Sie ließen sich scheiden, als ich 12 war. Meine Mutter verließ meinen Vater und meinen Bruder, und ich zog mit ihr zu ihrem neuen Freund, der jetzt mein Stiefvater ist.

Ich: Wie ist Ihre Beziehung zu ihm?

Klient: Nicht gut. Er ist ein Arschloch.

Ich: Änderte das Ihre Beziehung zu Ihrer Mutter?

Klient: Ich weiß nicht. Wir haben nie darüber gesprochen.

Eines der Probleme, das die Leute am meisten verwirrt, wenn es um Angst und Depressionen geht, ist die Beziehung zwischen diesen Gefühlen und dem Ursprung des Problems. Unsere Gesellschaft vermischt diese beiden Dinge viel zu oft und erklärt die Gefühle zum Problem. Sehen Sie es mal so: Wenn Sie Ihren Arm brechen und zur Notambulanz gehen, dann sagen Sie nicht „Ich habe eine 'Schmerzen-im-Arm-Störung'. Der Schmerz ist ein Signal dafür, daß es da ein Problem gibt. Oder wenn Sie lange ohne Jacke draußen in der Kälte sind, sagen Sie nicht, daß Sie eine „Kälte-Störung“ hätten. Oder wenn Sie lange nichts essen und sich sehr hungrig fühlen, dann haben Sie keine „Hunger-Störung“. Schmerz, Kälte und Hunger sind Signale dafür, daß Ihre Grundbedürfnisse für körperliche Integrität, Wärme und Nahrung nicht erfüllt wurden. Die Gefühle sind nicht per se das Problem.

Negative Gefühle wie Depression und Angst funktionieren genauso. Depressionen und Angst sind in den meisten Fällen emotionale Signale dafür, daß jemandes psychische Gesundheit nicht ideal ist und daß seine psychologischen oder Beziehungsbedürfnisse nicht erfüllt werden. In der Tat ist das erste, wonach ich bei Depressionen und Ängsten suche, das Bedürfnis nach wertschätzenden Beziehungen. Als überaus beziehungsorientierte Wesen haben Menschen Bedürfnisse nach wertschätzenden Beziehungen in den folgenden Bereichen: 1. Familie; 2. Bezugsgruppen / Freundschaften; 3. Lebenspartner und 4. Gruppen-, berufliche und soziale Identität. Dazu kommt noch die Beziehung zu sich selbst einer Art, in der sie stolz auf sich selbst sein und sich selbst akzeptieren können (oder das Gegenteil davon). In anderen Worten, es ist wichtig für uns, daß wir uns von unserer Familie, unseren Freunden, unseren Liebhabern erkannt und wertgeschätzt fühlen mit dem, was wir zur Gesellschaft beitragen. Und es ist wichtig, daß wir uns selbst respektieren und für uns selbst Mitgefühl empfinden.

Nun schauen wir uns nochmal den Dialog oben an. Man kann sofort sehen, daß der Klient in all diesen Bereichen schwach ist. Er fühlt sich von seiner Familie ausgeschlossen; er vermißt gute Freundschaften; er hat keine Liebesbeziehungen; und er sieht keinen klaren Weg dahin, wie er ein wertvoller Teil der Gesellschaft werden könnte. Und er weiß nicht, wie er sich selbst in einem positiven Licht sehen könnte.

Depression ist eine Art, auf die uns das emotionale System signalisiert, daß etwas nicht stimmt und daß die eigenen Bedürfnisse nach Beziehungen nicht erfüllt werden. Wenn Sie zu wenige wertschätzende Beziehungen in den Schlüsselbereichen Familie, Freunde, Liebhaber, Bezugsgruppen und zu sich selbst haben, ist Depression das EXAKT dasselbe wie Schmerzen bei einem gebrochenen Arm, zu frieren wenn man in der Kälte draußen ist oder hungrig zu sein nach 24 Stunden ohne Nahrung.

Bemerkenswert ist, bedenkt man die aktuellen gesellschaftlichen Strukturen, daß Depressionen oft nicht dazu dienen, das System zu rebooten und Hilfe in Anspruch zu nehmen, sondern im Gegenteil zur weiteren Isolation des Individuums beitragen, was eine fiese, bösartige Spirale des Zusammenbruchs erzeugt, so daß man weniger unternimmt, sich noch isolierter fühlt, sich gegen sich selbst richtet und damit immer depressiver wird. Auf diese Weise tragen depressive Symptome oft zum Problem bei, und die Leute leiden unter negativen Auswirkungssyndromen, bei welchen die negativen Stimmungen definitiv Teil des Problems sind.

ABER, es sollte für alle klar sein, daß Ängste und Depressionen in erster Linie Symptome von psychologischen Bedürfnissen und Bedrohungen sind. Sie sollten NICHT in erster Linie als fremdartige Gefühle gehalten werden, die beseitigt oder repariert werden müssen, genauso wenig wie man die Schmerzen von einem gebrochenen Arm, frieren und Hunger primär mit Pillen behandeln würde, die diese Gefühle beseitigen, anstelle den Arm zu behandeln, sich aufzuwärmen oder dem hungernden Menschen Nahrung zu geben.


Erklärung zur Natur von Ängsten und Depressionen

Wir benötigen ein klares Verständnis für Ängste und Depressionen.

Original: Clarifying the Nature of Anxiety and Depression
We need a clear understanding of anxiety and depression.
by Gregg Henriques, Ph. D., 28. März 2016

Übersetzung vom 2./3. Juli 2016; Übersetzer: Sabine 'Atari-Frosch' Engelhardt unter Mithilfe von Dipl.-Psych. Alexander Schestag – die Publikation der Übersetzung wurde vom Autor genehmigt.

An zwei Stellen habe ich Auflistungen aus dem Fließtext im Gegensatz zum Original zur besseren Lesbarkeit jeweils in eine nummerierte Liste umgewandelt. – Frosch

In einem kürzlichen und sehr beliebten Blogartikel nahm ich die Position ein, daß Ängste und Depressionen in erster Linie als Symptome und nicht als Krankheiten angesehen werden sollten. Es kam nicht überraschend, daß einige Kommentatoren Fragen zu dieser Formulierung stellten. Einer konstatierte, daß er ein „gutes Leben“ gehabt habe, und doch sei er mit Ängsten und Depressionen belastet, seit er fünf Jahre alt ist[*]. Mit dieser Erfahrung wunderte er sich darüber, wie ich behaupten könne, es sei keine Krankheit. Ein anderer Kommentator sorgte sich darum, daß Menschen mit Depressionen entmutigt würden, wenn sie den Artikel lesen, weil Depression nicht einfach eine Emotion ist und „Forschungen zeigen, daß Patienten mit Depressionen andere Werte bei Neurotransmittern haben“. Ein weiterer Kommentator wies darauf hin, daß ihm Medikamente geholfen haben und fragte sich, warum ich dagegen sei, Pillen gegen diesen Zustand zu nehmen. Diese Kommentatoren zeigen wichtige Punkte auf, und ich will die Gelegenheit wahrnehmen, darauf einzugehen.

[*] Der Kommentar ist anonym eingereicht, und es ist nicht zu erkennen, welchen Geschlechts die Person ist. Da es in der deutschen Sprache kein anerkanntes Äquivalent zum englischen „singular they“ gibt, habe ich gewohnheitsmäßig das generische Maskulinum gewählt. – Frosch

Lassen Sie mich den fundamentalsten Punkt zu dem Blogartikel und dem, den unsere Gesellschaft am notwendigsten begreifen muß, wiederholen. Depressionen und Ängste sind negative emotionale Stimmungszustände. Emotionen senden uns Signale über unsere Ziele und sie bereiten uns auf ein Handeln vor. Begehren, Freude und Aufregung sind positive Emotionen, an welchen wir uns orientieren und die uns zeigen, daß da draußen gute Dinge zu finden sind. Im Kontrast ist Scham das Gefühl, das wir haben, wenn wir inkompetent oder unterlegen sind. Ärger kommt auf, wenn andere unsere Rechte und Interessen verletzt haben. Furcht und Angst sagen uns, daß es da draußen Bedrohungen gibt, und sie bereiten uns auf Verteidigungsmaßnahmen vor. Depression ist ein Zustand des Herunterfahrens, der dann erfolgt, wenn unsere Handlungen keine produktiven Ergebnisse entsprechend unseres Einsatzes zurückliefern, und unsere psychologischen Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Mit diesem grundsätzlichen Verständnis können wir das „Erste Prinzip“ von Depressionen und Ängsten so benennen, daß diese negativen Emotionen als Signale von Bedrohung oder Verlust bezüglich psychologischer Kernbedürfnisse in Beziehungen (Familie, Bezugsgruppen, Partner, Gesellschaft und uns selbst) und/oder Kompetenz und Kontrolle und Sicherheit dienen. In dieser Hinsicht ist die fundamentale Aussage des Blogartikels, daß die erste Frage, die wir stellen sollten, wenn jemand mit Depressionen oder Ängsten zu tun hat, lautet: Wie sind diese Gefühle mit den menschlichen psychologischen Kernbedürfnissen bezüglich Beziehungen, Sicherheit und Zweckdienlichkeit verbunden?

Nachdem wir dieses „Erste Prinzip“ verstanden haben, können wir damit anfangen, Wege zu erforschen, in welchen Depressionen und Ängste selbst zu Problemen werden, und hier können wir damit beginnen, einige der Sorgen der Kommentatoren anzugehen. Genauer, nachdem wir das Erste Prinzip verstanden haben, können wir mit einem weiteren Verständnis fortfahren, welches uns erlaubt, einen plausible psychiatrische Einschätzung zu diesem Zustand vorzunehmen. Mit diesem Verständnis können wir nämlich weiter ausführen, daß:

  1. es definitiv genetische und neurobiologische Elemente gibt, die individuelle Unterschiede in der Wahrnehmung von Depressionen und Ängsten beeinflussen;
  2. es viele Fälle gibt, in welchen die Stärke von Ängsten und Depressionen tatsächlich zu Problemen der psychischen Gesundheit beitragen und somit einen geeigneten Kontext für uns liefern, um an „Angst- und depressive Störungen“ zu denken;
  3. es SELTENE Fälle gibt, in welchen wir das Label „depressive Krankehiten“ benutzen möchten – ich glaube, wir sollen in Bezug auf diese als Fälle von Melancholie reden, denn sie zeigen nicht das normale Bild dessen, wie eine Depression in der Bevölkerung üblicherweise aussieht; und
  4. es Umstände gibt, in welchen Medikamente sehr geeignet sein können, um depressiven oder Angstsymptomen die Schärfe zu nehmen.

Lassen Sie mich jeden dieser Punkte ein wenig genauer erklären.

Klarstellung Punkt 1: Neurotische Temperamente verstehen

Persönlichkeitsforschungen haben gezeigt, daß Individuen darin variieren, was „neurotisches Temperament“ oder „neurotische Züge“ genannt wird (zum Beispiel hier und hier. Das Merkmal Neurotizismus bezieht sich auf Stufen der Sensitivität und Reaktivität des Systems negativer Emotionen. Kurz, Menschen, die ein starkes Merkmal von Neurozitismus haben, sind, im Verhältnis zu anderen sensitiv, leicht erregbar, anfällig für Streß und reaktiv darauf; sie fühlen sich eher an den Rand gedrängt und defensiv, sind eher besorgt und sich ihrer selbst bewußt; reizbar. Es deutet vieles darauf hin, daß das neurotische Temperament eines Menschen eine Schlüsselrolle darin spielt, wie anfällig jemand dafür ist, Probleme mit Ängsten und Depressionen zu entwickeln.

Klarstellung Punkt #2: Symptome können zu Problemen werden; dann sind Angst- und depressive Störungen reale Zustände.

Depressive und ängstliche Emotionen können in der Tat Teil des Problems werden und liegen oft im Fokus der Behandlung. Gegen Ende des Blogartikels erklärte ich, daß es da ganz klar „negative Auswirkungssyndrome“ gibt, welche dann auftauchen, wenn ein Individuum Streß erfährt (üblicherweise auf Kernbedürfnisse bezogen) und dann mit negativen Emotionen reagiert, die mehr Probleme erzeugen als sie lösen, besonders wenn das Individuum nicht den richtigen Rahmen hat, um mit diesen Emotionen umzugehen und sie zu verarbeiten. Angst tendiert zu Vermeidungsmustern, und Depression führt zu einem Herunterfahren der psychologischen Energie und Erforschung. Unglücklicherweise können diese Tendenzen in unserem modernen Kontext stärkere Isolation, Frustration und Schwierigkeiten zur Folge haben, was zu noch mehr negativen Emotionen führen und damit den Kreis schließen kann. Kurz, viele Menschen wissen nicht, wie sie mit ihren negativen Emotionen umgehen sollen (siehe hier), was zu Problemen führt. Moderne Psychotherapien (z. B. Verhaltenstherapie, emotionsfokussierte Therapie, Psychodynamik, Achtsamkeit) wurden geschaffen, um Menschen zu helfen, ihre Emotionen und die damit verbundenen Assoziationen auf eine angepaßtere Art zu verarbeiten, womit der erkennbare Kreislauf umgekehrt werden kann.

Klarstellung Punkt #3: Es gibt einige SELTENE Fälle, in welchen Menschen Symptome zeigen, die die Bezeichnung „depressive Krankheit“ rechtfertigen (siehe hier).

Ich habe viele Jahre in staatlichen Krankenhäusern in der klinischen Forschung gearbeitet und solche überwacht. Ich leitete eine bedeutende Studie über Menschen, die versucht hatten, Suizid zu verüben. Das heißt, ich bin sehr vertraut mit dem heftigen Ende des depressiven Spektrums. Hier gibt es WENIGE, SELTENE Fälle, in welchen das depressive Syndrom begründet als Krankheitszustand verstanden werden kann. Das heißt, die depressiven Symptome sind so allgegenwärtig und reagieren überhaupt nicht auf Veränderungen im Umfeld, auf angemessenes Verhalten in Gemeinschaften oder Beziehungen und auf effektive emotionale Verarbeitung, daß es plausibel ist, den Zustand einer depressiven Krankheit anzunehmen. Ich bevorzuge es, diese als Melancholie oder melancholische Depression zu bezeichnen. Was ich energisch ablehne, ist die breite Annahme des Krankheitsmodells, indem ich auf das Erste Prinzip verweise.

Klarstellung Punkt #4: Manchmal sind Medikamente sinnvoll.

Als ich mir einen Muskel in der Brust zerrte, tat das weh. Der Schmerz war ein Symptom für den angerichteten Schaden. Trotzdem habe ich Medikamente genommen, um die Schmerzen zu dämpfen. Das spricht nicht gegen das Erste Prinzip, welches sagt, daß man niemals Medikamente nehmen sollte. In der Tat, ausgehend von Klarstellung #2, daß Symptome zum eigentlichen Problem werden können, ist es logischerweise sinnvoll, über Medikamente zur Reduzierung von Angst- und depressiven Symptomen nachzudenken, insbesondere, wenn diese zum Problem beitragen. Wenn man es so macht, sollte das folgende bedacht werden:

  1. Für die leichteren bis mittelschweren Fälle wurde die Effektivität von Medikamenten von Big Pharma zu teuer verkauft;
  2. das Modell der Unterstellung, daß eine Pille gegen die Krankheit helfen würde, sollte zurückgewiesen (die Pillen reparieren kein „chemisches Ungleichgewicht“, welches das Problem verursacht) und ersetzt werden durch die Ansicht, daß hier eine Medikation gegen die Symptome eingesetzt wird (also, die Pillen reduzieren die Symptome und können damit dabei helfen, das Problem zu verbessern); und
  3. Pillen helfen häufig dabei, Gefühle zu vermeiden, die man verarbeiten muß; somit können solche Pillen der emotionalen Arbeit entgegenwirken, die getan werden muß. Als solche sollten sie in Verbindung mit anderen Behandlungen verwendet werden, wenn möglich.

Der Blogartikel steht im Zusammenhang damit, daß, bezogen auf die psychische Gesundheit, unsere Gesellschaft kränker wird. Dafür gibt es viele Gründe, inklusive: Problematische Veränderungen darin, wie wir unsere Kinder erziehen; Lebensstile, die ständig erwartet und erzwungen werden; der Verlust von großen Erzählungen, die unserem Leben Sinn geben; die Tatsache, daß wir in einer komplexen, politisch gespaltenen Gesellschaft mit sich rapide verändernden Technologien leben; die Tatsache, daß es immer schwerer für einige gesellschaftliche Gruppen (weniger gebildet, schlecht ausgebildet) wird, ihren Lebensstil zu erhalten und so weiter.

Aus all den oben genannten Gründen müssen wir in Sachen psychischer Gesundheit klüger werden. Und unglücklicherweise gibt es viele dominante Narrative bezüglich psychischer Gesundheit, die sich weitab der Realität zeigen. Der Schlüssel zu psychischer Gesundheit ist NICHT per se in Gehirnfunktionen oder chemischen Ungleichgewichten zu finden, sondern IST zu finden in vergleichenden Beziehungen (zum Beispiel bekannt mit und geschätzt von wichtigen Leuten) und in innerer Harmonie zwischen Verstand und Herz. Und wir müssen verstehen, daß Ängste und Depressionen in erster Linie nicht Krankheitszustände, sondern vor allem Symptome dafür sind, daß wichtige soziale Bedürfnisse bedroht oder nicht erfüllt werden. Mit dieser Erkenntnis können wir ein befriedigenderes und feineres Verständnis dafür erlangen, um mit Situationen umzugehen, in welchem Menschen diese Gefühle erleben und ob und inwiefern sie ein Problem signalisieren oder zusätzliche Probleme verursachen.