Gedankenfetzen unter Depression

[06.10.2003] Es geht wieder los … der Klumpen in der Brust, der sich wie Eis anfühlt und auf alle meine Kraft wie ein Schwarzes Loch wirkt. Alle Kraft, die ich bräuchte, um zu Behörden zu gehen, weil ich sonst gar kein Geld mehr bekomme. Alle Kraft, die ich bräuchte, um mich wenigstens um das Wichtigste zu kümmern. Der Eisklumpen frißt alles auf … und macht alles immer schlimmer.

Bald wird mir sogar die Kraft zum Weinen fehlen. Wenn ich weinen will, wird es nur noch schlimmer, der Klumpen zieht sich zusammen und verkrampft alles. Der Seelenschmerz wird physischer Schmerz, aber ich habe keine Tränen. Und meine Ratio steht daneben und stellt emotionslos fest, daß ich mal wieder den Bach runtergehe.

Sie sagen, ich sei doch dumm, warum nehme ich denn keine Hilfe in Anspruch, ich hätte doch ein Recht darauf? Ein Telefonanruf oder eine Bitte um Hilfe kostet so viel Kraft, das verstehen sie nicht … und die Helfenden haben ihre eigenen Vorstellungen von Hilfe. Sie wollen mir das letzte bißchen Kontrolle nehmen, das ich noch habe. Aber sie begreifen es nicht …

Menschen werden jetzt bald eine Qual sein … Menschen, die anrufen; Menschen, die zu Besuch kommen, Menschen, die e-Mails schreiben, Behörden mit ihren kalten Briefen. Entweder sie wollen etwas von mir, oder sie stehen hilflos dabei … und zeigen mir umso mehr meine eigene Hilflosigkeit. Oder sie geben Ratschläge, die keine sind … der Widerspruch zwischen „gut“ und „gut gemeint“.

Ich friere viel, obwohl die Heizung auf 22 Grad steht. Trotzdem suche ich die Nacht … sie verspricht Ruhe vor den Menschen, Ruhe vor ihren Ansprüchen und Anforderungen … und damit auch ein wenig innere Ruhe. Es ist nicht viel, nicht genug, um den Tag zu überstehen und den Menschen gerecht zu werden, um etwas „Sinnvolles“ für mich zu tun … aber es ist wenigstens ein kleiner Ruhepol … nur eine winzige Insel. Die Nacht ist meine Freundin.

Ich schlafe viel, und trotzdem fühle ich mich ständig müde … nicht körperlich, sondern innerlich.

Alles, was mir noch bleibt, sind Dinge, die allen anderen so wertlos erscheinen, weil sie kein Geld bringen … wenn ich aufhöre, kreativ zu sein, etwas zu tun, was mich innerlich befriedigt, dann versinke ich vollkommen im Vergessen. Aber das sind nicht die Dinge, die die Welt von mir will …

Das schlimmste ist, zu wissen, dass dieser Zustand andauern wird … wenn es erst richtig kalt wird draußen; noch sind die Temperaturen ja über dem Gefrierpunkt. Nur im Dezember wird es eine Unterbrechung geben, danach kommt der lange Winterschlaf der Seele, bis der Frühling draußen auch meinen Eisklumpen wieder schmelzen läßt – zumindest ein wenig …

Für die, die es nicht kennen: Nennt es von mir aus Selbstmitleid …