Depressive Gedichte

OK, richtige „Gedichte“ sind das vielleicht nicht. Aber manchmal sagen wenige Zeilen mehr als lange Texte.


[14. April 2005]

Ich bin ein Tischtennisball im Sturm
er treibt mich bald hierhin, bald dorthin
ohne Unterbrechung, ohne Pause
schlägt mich gegen Dächer, Mauern, Bäume
gönnt mir keine Ruhe
und ich kann nichts steuern.

Ich bin ein Tischtennisball auf dem Ozean
die Wellen tragen mich mal hierhin, mal dorthin
ohne Unterbrechung, ohne Pause
sie tragen mich hoch hinauf und ziehen mich tief hinunter
und lassen mich das Land nicht einmal von Weitem sehen
und ich bin völlig unkontrolliert.


[14. Oktober 2004]

Die Rachegöttin

Sie steht über mir
spöttisch lächelnd
und sieht zu
wie ich mich emporkämpfe
unter quälenden Schmerzen

nur wenn ich das Licht sehen kann
wird sie wütend
und stampft mich wieder tief hinab
böse lachend
auf daß das Schauspiel für sie neu beginne

sie hat mir nie gesagt warum
und was ich verbrochen habe
vielleicht ist ihr das auch egal
und sie schöpft nur Kraft aus meiner Schwäche
und Freude aus meiner Qual
denn sie ist eine Göttin
und ich bin nur ein Mensch


[1. Oktober 2004]

Grau am Himmel
grau in meiner Seele
beide weinen viele Tränen
aber der Himmel weiß
dass die Sonne seine wieder trocknen wird


[2. Juli 2004]

Wenn Du jemanden brauchst …

Wenn Du allein in Deinem Bett liegst
und der Schmerz Dich verbrennt
möchte ich mich auf die Bettkante setzen
und Dich umarmen und wärmen
Deinen Rücken streicheln und Deine Schultern
Dein Gesicht und Deine Haare
meine Wange an Deine legen
Du hältst Deine Augen geschlossen
und läßt Dich ganz fallen
bis Du endlich, endlich weinen kannst
und ich halte Dich fest
wiege Dich wie ein Kind
bis der Schmerz mit den Tränen weggewaschen ist
halte Dich in meinen Armen
bis Du eingeschlafen bist

Ich bin immer für Dich da.


[25. Juni 2004]

Ihr werft mir vor, meine Krankheit zu zelebrieren,
weil ich mich ständig dafür entschuldigen muß, etwas nicht zu schaffen,
was ich mal geschafft habe.
Ihr sagt: Das macht die doch absichtlich!
Ihr sagt: Das gefällt der doch!
Ihr sagt: Die will nur Mitleid!

Oh, natürlich.
Es gefällt mir, immer wieder durch die Hölle zu gehen.
Es gefällt mir, Euch ständig meine Schwäche eingestehen zu müssen.
Es gefällt mir, nichts mehr auf die Reihe zu kriegen.
Es gefällt mir, überall abgelehnt zu werden.
Es gefällt mir, keine Hilfe zu bekommen.
Es gefällt mir, wenn sich nach und nach jede Hoffnung zerschlägt.
Es gefällt mir, wenn sich Gedanken an den Tod einschleichen wie ein süßes Gift.

MERKT IHR NOCH WAS???

Ich brauche Euch nicht!
Ich werde Euch ignorieren.
Ihr werdet mich nicht mehr verletzen.
Denn meine Freunde – seid Ihr nicht!


[16. Juni 2004]

zu krank, um interessant zu sein
zu dick, um attraktiv zu sein
zu lang arbeitslos, um wertvoll zu sein
zu alt, um kinder zu haben

und wenn ich mich verliebe
dann trifft es garantiert jemanden
der diese Liebe nicht erwidert
denn sonst …
könnte sich ja etwas ändern


[11. März 2004]

Abstürzen
immer und immer wieder
Hoffnungslosigkeit
es wird nie aufhören
ich werde kein normales Leben haben
immer die Verliererin sein
niemals mit den Adlern fliegen
nur im Sumpf stecken
und darauf warten
daß er mich endgültig
verschlingt