Wie alles anfing …

Ich muß ungefähr 12 oder 13 Jahre alt gewesen sein, als mein etwas älterer Cousin mir seine Spielekonsole überließ. Damit spielte ich eine ganze Weile Squash und Ping-Pong.

Etwa 1983/84 zogen mich die Schneider CPCs und C64-er in einem Mannheimer Kaufhaus magisch an. Ich guckte den Buben, die daran herumspielten – ja, das durfte man damals noch! – über die Schulter und stellte fest, daß die Befehle, die sie da eingaben, eigentlich ganz einfach waren. Mein Interesse war geweckt.

Ein VHS-Programm schrieb Ende 1984 etwas von einem Basic-Kurs, es wurden aber Hochschulabschluß und/oder Berufserfahrung verlangt – und ich kam gerade aus der Realschule. Also flugs angerufen und nachgefragt. Denen fielen aber alle möglichen Ausflüchte ein, und als ihnen nichts mehr einfiel, meinte mein damaliger Gesprächspartner, „… aber Sie würden ja dort als junge Frau so ganz allein zwischen lauter gestandenen Männern so ab 40 in Anzügen sitzen …“ Das ist natürlich ein schlagendes Argument.

Dann kam aber alles ganz anders. Ich lernte im Sommer 1985 meinen ersten Freund kennen, und der hatte einen C64. Damit war der Kurs nicht mehr nötig ;-)

Commodore Basic V2.0
38911 Basic Bytes free

… leuchtete mir in den Monaten danach fast täglich entgegen. Die 20 Befehle, die dieses Basic hatte, waren bald ausgelutscht. Aber auch die ersten Hardware-Tücken lernten wir kennen – zum Beispiel, daß die Warnung, man solle den Monitor nicht im laufenden Betrieb umstöpseln, ernst zu nehmen ist. Nein, ich war's nicht. Uns hat es damals den Soundchip, den SID, zerrissen. Das war besonders ärgerlich, weil ich kurz zuvor das legendäre Musikstück „Shades“ von Chris Hülsbeck abgetippt hatte.

Das war auch so eine Story: Das MSE-Listing war in der 64er abgedruckt. Als Maschineschreiberin benötigte ich für das Abtippen dreieinhalb Stunden. Dann Save, Run – nichts. In der nächsten 64er stand dann drin, daß sie das Listing versehentlich mit dem eines Spieles gemixt hatten. Also nochmal das Ganze – aber dieses Mal war ich vorher im Copy-Shop und hatte mir die Vorlagen zusammenkopiert und vor allem vergrößert – mir taten noch vom ersten Versuch die Augen weh, das muß so Schriftgröße 4 gewesen sein. Ich hatte das Listing dann also vollständig drin und wählte beim Speichern versehentlich die Datasette statt der Floppy. Das wäre ja an sich noch nicht so schlimm gewesen, aber es hing nun mal keine Datasette dran – und das nahm mir der MSE übel … und ja, ich habe alles noch ein drittes Mal abgetippt. Aber dann lief es! Und zwar ziemlich oft ;-)

Wie gesagt, das Grund-Basic war schnell ausgelutscht. Also mußte eine Erweiterung her. Von einem Bekannten kauften wir ein kleines schwarzes Kästchen mit einem roten Knopf, das 200 zusätzliche Basic-Befehle versprach: Omikron-Basic für den Rom-Port. Der rote Knopf war ein Reset-Knopf – der C64 hat von Haus aus keinen. Den hab ich dann aber auch ziemlich häufig gebraucht, wenn ich mich bei pokes und peeks vertippt hatte ;-)

Aber auch damit kam ich schnell an die Grenzen. Die Omikron-Befehle waren teilweise Vereinfachungen von vorhandenen Befehlen, zum Beispiel wurden die umständlichen Kommandos für die Floppy (1541) in verständlichere umbenannt, und statt einem Befehl mit vielen verschiedenen Parametern gab es viele verschiedene, aber leichter zu merkende Einzelbefehle.

Ein neuer Computer soll her - welcher?

Diese Frage stellte sich uns 1986. In den Schaufenstern der „professionellen“ Büromaschinenanbieter standen IBM-PCs – 8088-er, 286-er und die ersten 386/12-er – zu Preisen, die für zwei Azubis völlig außerhalb aller Diskussion standen. Unter 5000 Mark war da nichts zu bekommen, und ein 386/12 sollte sogar je nach Ausstattung zwischen 10.000 und 15.000 Mark kosten. Heute wollen die meisten Leute diese Rechner nicht mal mehr geschenkt …

Also hieß die Frage nur noch: Atari oder Amiga? Wir haben uns damals für den Atari ST entschieden. Der Hauptgrund war der Bildschirm: Denn während die Amigas zu dieser Zeit noch mit ziemlich niedrigen Frequenzen bzw. im interlaced-mode gearbeitet haben (wurde später durch den „Flickerfixer“ behoben), brachte der Atari einen Schwarz-Weiß-Monitor mit der für diese Zeit fantastischen Bildwiederholfrequenz von 72 Hz mit (bei einem PC-Monitor durfte man schon froh sein, wenn er 50 Hz erreichte, oft war's weniger).